Magic Voice
Die Geschichte hinter MagicVoice

Die Geschichte hinter MagicVoice

Interview mit Harry von Magic Voice Music über die Geschichte des Beginns
Wir wollten nie ein Label werden. Wir wollten einfach nur Musik machen.
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Conny: Harry, wenn man heute auf Magic Voice Music blickt, sieht man unglaublich viele verschiedene Projekte, Musikrichtungen und Musiker aus unterschiedlichen Ländern. Es wirkt fast wie eine eigene kleine Musikwelt. Wenn du zurückblickst, wo begann diese Reise eigentlich wirklich?

Harry: Die eigentliche Reise begann mitten in der Corona-Pandemie, im April 2020. Wie bei vielen anderen Menschen stand plötzlich alles still. Keine normalen Abläufe mehr, keine gewohnte Dynamik des Lebens. Ich war zuhause, hatte Zeit zum Nachdenken und irgendwie entstand in mir ein enormer innerer Druck, einfach Gedanken aufzuschreiben.
Am Anfang waren das einfach nur spirituelle Texte, Gedichte und Gedanken zum Alltag. Ich schrieb über die Gesellschaft, über das Leben, über Licht und Schatten, über Angst, Hoffnung und innere Entwicklung. Das Verrückte daran war, dass ich gar nicht bewusst „arbeiten“ musste. Die Texte flossen einfach aus mir heraus. Teilweise saß ich bis tief in die Nacht da und schrieb seitenweise Gedanken nieder, ohne darüber groß nachdenken zu müssen.
Damals hatte ich noch überhaupt keinen Plan, dass daraus einmal Musik entstehen würde. Für mich war das zunächst einfach ein innerer Prozess. Eine Art Verarbeitung, aber gleichzeitig auch irgendwie eine Inspiration. Heute denke ich oft, dass genau dort die eigentliche Geburtsstunde von Magic Voice Music lag, obwohl damals noch niemand ahnen konnte, wohin sich das entwickeln würde.

Conny: Und ursprünglich hatte das Ganze ja noch gar nichts mit Musikproduktion zu tun?

Harry: Nein, überhaupt nicht. Musik war zu diesem Zeitpunkt eher im Hintergrund. Der nächste Schritt entstand eigentlich durch mein Buch „Die Chroniken des Lichts“. Ich wollte das Hörbuch selbst einsprechen, weil ich dachte, dass man seine eigenen Texte doch am authentischsten selbst lesen müsste.
Das Problem war nur: Ich konnte es nicht. (lacht)
Egal wie ich gelesen habe, es klang langweilig und furchtbar einschläfernd. Ich merkte schnell, dass zwischen „lesen können“ und „ein Hörbuch emotional vortragen können“ Welten liegen. Dadurch begann ich mich intensiv mit dem Thema Stimme auseinanderzusetzen. Ich machte schließlich eine professionelle Sprecherausbildung. Dort lernte ich unglaublich viel über Betonung, Pausen, Emotionen, Atemtechnik und Schauspiel. Das war für mich eine komplett neue Welt. Ich verstand plötzlich, wie sehr Emotionen über die Stimme transportiert werden.
In dieser Zeit entstand dann auch die Webseite MagicVoice.eu. Ursprünglich war das nichts anderes als eine Werbe Plattform für meine Tätigkeit als Sprecher. Ich wollte Hörbücher, Voice-Over und Sprecherjobs machen. Mehr war da gar nicht geplant.

Conny: Und trotzdem entwickelte sich daraus ein Musikprojekt. Wie kam dieser Wendepunkt?

Harry: Das war eigentlich ein schleichender Prozess. Durch die Webseite entstanden Kontakte und irgendwann auch regelmäßige Zoom-Meetings mit verschiedenen Menschen. Anfangs waren das ganz normale Gespräche mit Kollegen, Interessierten oder zukünftigen Kunden. Innerhalb von ein paar Wochen änderte sich die Dynamik dieser Treffen komplett. Plötzlich saßen da Menschen mit gesellschaftskritischen Gedanken, spirituellen Ansätzen und vor allem mit musikalischem Hintergrund. Die Themen wurden immer intensiver. Es ging um die Welt, um die Manipulation der Massen, aber auch um Spiritualität, um Freiheit und auch um Musik. Eines Tages kam die Idee auf, eigene Songs zu produzieren. Und ich sagte damals eher nebenbei: „Texte hätte ich genug.
Ich schickte einige meiner Texte an die betreffenden Personen und die Resonanz war überraschend gut. Eine Person aus dieser Runde stellte schließlich den Kontakt zu einer Band her. Ich bereitete erste Refrains vor, schickte die Texte und plötzlich entstand daraus tatsächlich ein komplettes Album. Das war die Geburt von MagicVoice Music und somit von “Gedankensturm” und dem Albums „Abgrund“.

Conny: Heute gilt „Abgrund“ für euch als eines eurer wichtigsten Werke. Wie waren die Reaktionen damals?

Harry: Wenn ich ehrlich bin: Am Beginn katastrophal (lacht). Kein Schwein wollte sich das Album anhören. Die Leute konnten mit spirituellen, gesellschaftskritischen Rocktexten kaum etwas anfangen. Das Album war düster, direkt und teilweise unbequem. Viele wollten damals eher einfache Unterhaltung und keine Texte, die zum Nachdenken anregen. Dadurch lief das Album zunächst extrem schleppend. Teilweise dachten wir sogar, dass das Projekt sofort wieder endet.

Wir haben aber nicht aufgegeben und haben mit Ayvenor begonnen eine ganz andere Musik (EDM) zu produzieren. Aber etwas Interessantes passierte in dieser Zeit: Die Menschen begannen plötzlich genauer zuzuhören. Themen, über die wir damals geschrieben hatten, wurden gesellschaftlich immer relevanter. Und irgendwann entwickelte sich „Abgrund“ langsam aber stetig zu unserem erfolgreichsten Album überhaupt. fast täglich kamen immer mehr Hörer hinzu. Das hat uns gezeigt, dass manche Musik einfach Zeit braucht. Nicht alles funktioniert sofort. Manche Songs müssen wachsen.

Conny: Das ursprüngliche Gedankensturm Bandprojekt blieb aber nicht dauerhaft bestehen.

Harry: Nein. Mit der Zeit entstanden unterschiedliche Vorstellungen darüber, wohin das Ganze gehen sollte. Einige wollten stärker auf Erfolg, Bühne und klassische Vermarktung setzen. Andere sahen es nach wie vor als Versuchsprojekt. Das war alles völlig legitim.
Aber unsere Vision war eine andere. Wir wollten keinen Druck. Keine Erwartungen. Keine „Wir müssen jetzt Hits produzieren und von einem zum anderen Gig wandern“-Mentalität. Wir wollten Musik machen, die ehrlich ist und „etwas“ transportiert. Interessanterweise kamen genau in dieser Phase plötzlich unglaublich talentierte Musiker dazu. Menschen, die früher auch live gespielt hatten, teilweise jahrzehntelang. Viele davon hatten aber keine Lust mehr auf das klassische Musikgeschäft. Sie wollten einfach wieder Musik machen, ohne Stress, ohne Tourbus, ohne Zwang. Manche arbeiteten in kleinen Heimstudios, andere hatten sich richtige kleine Aufnahmeräume eingerichtet. Alles neben dem ganz alltäglichen Beruf.

Und genau daraus entstand die heutige Philosophie von Magic Voice Music.

Conny: Wie würdest du diese Philosophie beschreiben?

Harry: Wir sind keine klassischen Bands und eigentlich auch kein Label. Wir sind eher ein kreatives Netzwerk. Bei uns arbeitet jeder dort, wo er sich wohlfühlt. Niemand muss auf eine Bühne und es will auch niemand auf eine Bühne! (lacht). Niemand muss sich verbiegen. Niemand macht Musik, um reich zu werden. Es geht um Ausdruck, um Botschaften und um Emotionen. Das Schöne daran ist, dass dadurch ganz unterschiedliche Genres entstehen konnten. Irgendwann merkten wir nämlich, dass es langweilig wird, ständig denselben Stil zu machen.
So entstand nach Gedankensturm zuerst Ayvenor als modernes EDM-Projekt. Zuerst kamen bei Ayvenor spanische Salsa und später Reggae-Einflüsse dazu. Danach kam Dave ins Team, ein riesiger Country-Fan/Musiker/Sänger. Also begannen wir plötzlich amerikanischen Country-Rock zu produzieren und gründeten Heavens Trail. Das lief vor allem in den USA überraschend gut, besonders wegen der spirituellen und worship-orientierten Inhalten. Vielleicht auch weil wir “zufällig” einen Song mit dem Titel “Make America Great Again” auf dem Album hatten (lacht). Natürlich ganz ohne Hintergedanken! (lacht immer noch).
Irgendwann entstand dann die Idee: „Warum machen wir das ganze nicht auch auf Deutsch?“
Und daraus wurde schließlich Sajahel Rising.

Conny: Der Name hat ja eine persönliche Bedeutung für dich.

Harry: Ja. „Sajahel“ ist mein spiritueller- und Autoren Name. „Rising“ passte perfekt dazu, weil das Leben letztlich immer Entwicklung bedeutet. Immer Bewegung. Immer Aufstehen. Eine Reise. Anfangs war das Projekt noch stark im modernen Country verankert. Doch 2024 entwickelte sich der Sound immer stärker Richtung Blues. Erdiger, echter, direkter. Das Interessante bei uns ist, dass gleichzeitig oft mehrere Teams an unterschiedlichen Projekten arbeiten aber sich auch nebenbei gegenseitig unterstützen. Während ein Teil gerade Sajahel Rising aufnimmt, arbeitet ein anderer an Gedankensturm oder an einem Reggae-Album. Dadurch entsteht ständig Bewegung.

Conny: Wie läuft eine Produktion bei euch konkret ab?

Harry: Sehr ungewöhnlich. (lacht). Da wir keine klassische Band sind, arbeitet jeder in seinem eigenen Studio oder kleinen Aufnahmeraum. Einer spielt Gitarren ein, der nächste seinen Bass oder Schlagzeug, jemand anderer singt die Vocals ein. Danach wird alles an den nächsten weitergeschickt. Der Song wandert sozusagen von Musiker zu Musiker. Jeder ergänzt seinen Teil und dadurch wächst der Song Stück für Stück. Am Ende landet alles zuerst bei mir und ich spiele dann meinen Keyboard Part ein, wo er passt. Danach schicke ich alles zu Felix in die Schweiz fürs Mastering.
Felix ist eigentlich Wirtschaftsstudent, aber Musik ist seine große Leidenschaft. Er steckt unglaublich viel Herzblut hinein und hat unsere Produktionen in den letzten Jahren technisch auf ein völlig neues Niveau gebracht. Dadurch wurden die Songs mit der Zeit immer professioneller und detailreicher.

Conny: Du selbst beschreibst deine Hauptaufgabe immer als „Texte schreiben“.

Harry: Ja, das ist tatsächlich mein Kernbereich. Texte entstehen bei mir oft unglaublich schnell. Teilweise habe ich komplette Songs innerhalb weniger Minuten geschrieben. Viele Menschen fragen mich, wie das möglich ist. Naja, schwer zu erklären. Für mich fühlt es sich oft an, als würde ich eher „empfangen“ als bewusst konstruieren. Natürlich arbeite ich die Texte später noch aus, aber die Grundidee kommt meistens sehr intuitiv. Zusätzlich mache ich meist die ersten Takte einer Melodie und den Refrain. Danach überlasse ich den Musikern viel Freiheit. Genau dadurch entsteht dieser lebendige Charakter unserer Songs.

Conny: Du bist natürlich selbst Musiker, wenn du die Melodie schreibst!

Harry: Ja und Nein! Ich steuere bei allen Produktionen meist nur das Keyboard hinzu. Ab und zu einmal eine Gitarre. Ich hatte jahrelang mit Akkordeon Musikunterricht und daher konnte ich viel über Takt, Melodie und Musik im Allgemeinen lernen.

Conny: Ihr habt euch auch intensiv mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Welche Rolle spielt KI bei euch heute?

Harry: Natürlich haben wir experimentiert. Jeder Musiker beschäftigt sich heute irgendwann mit KI.
Aber wir merkten relativ schnell: Technisch beeindruckend bedeutet nicht automatisch emotional berührend. Uns fehlte bei vielen KI-generierten Songs einfach die Seele. Dieses kleine, unperfekte, menschliche, emotionale. Heute nutzen wir KI eigentlich nur noch gelegentlich sehr gezielt bei vereinzelten Songs. Beispielsweise für Crowd-Unterstützungen in Refrains, damit manche Songs mehr Live-Atmosphäre bekommen. Diese Crowd unterstreicht oft die Wichtigkeit der Aussage. Aber die Musik selbst, die Stimmen, die Instrumente und vor allem die Texte, das kommt alles von echten Menschen. Und ehrlich gesagt merkt man diesen Unterschied, außerdem nimmt unser Distributor keine KI-Musik an.

Conny: Ein Projekt, das momentan besonders auffällt, ist Salt’n Blues. Wie entstand das?

Harry: Das begann mit Sal, beziehungsweise Salomon. Er brachte diese unglaublich rauchige, markante Stimme mit und sang erste Bluesrock-Nummern ein.
Irgendwann produzierte er gemeinsam mit alten Freunden einige Songs und daraus entstand schließlich Salt’n Blues. Besonders spannend war dabei mein Zugang zur Bergpredigt aus der Bibel. Ich bin kein klassisch religiöser Mensch und gehöre keiner bestimmten Kirche an. Aber die Inhalte der Bergpredigt haben mich immer schon irgendwie fasziniert. Was mich störte, war der Zwang und die starre Auslegung.

Also begann ich die einzelnen Aussagen in unsere heutige Zeit zu übertragen. Nicht als Befehl, sondern als Einladung an alle. Frei nach dem Motto: „Wenn du bereit bist, dann höre hin.“ Das wurde die Grundlage des Albums „LORDS PRAYER BLUES“ und die Reaktionen darauf waren überwältigend. Teilweise erreichten wir Streamingzahlen, mit denen wir nie gerechnet hätten.

Conny: Auch Roots’n Sacred entwickelt sich gerade sehr stark!

Harry: Ja, das freut uns unglaublich. Nick und Ina kamen Anfang 2024 ursprünglich als Sänger für Ayvenor Reggae zu uns. Beide leben in Bulgarien und lieben Roots-Reggae. Mit der Zeit suchten sie sich dort weitere Musiker und nannten sich schließlich Roots’n Sacred. Das erste Album wurde erst vor wenigen Wochen veröffentlicht und kommt bereits hervorragend an. Klassischer Roots-Reggae mit viel Herz und echter Leidenschaft. Und das Schönste daran: Sie arbeiten bereits am nächsten Album.

Conny: Ist dein Herzensprojekt immer noch Herb Grandl Project, wie du mir in einem Interview einmal verraten hattest?

Harry: Das Herb Grandl Projekt war und ist immer noch unser eigentliches, ewiges Herzensprojekt. Gemeinsam mit Avaleen und Kyra haben wir damals unsere bereits fertigen Songs nochmals komplett neu aufgenommen und musikalisch weiterentwickelt. Daraus entstand ein Jazz-, Soul- und Blues-Album, das inzwischen zu einem unserer erfolgreichsten Albums geworden ist. Abgrund und Jaz matchen sich jedes Monat um Platz 1. Und das nächste Projekt steht schon in den Startlöchern: Ein Jazz-, Soul-, Funk- Album im Stil der 90er Jahre. Es ist annähernd fertig, es fehlen nur noch ein paar Gesangparts, aber Kyra nimmt gerade mit Gedankensturm das neue Album “Truth” auf. Daher fehlt die Zeit, um es fertigzustellen.

Conny: Zum Abschluss, wohin entwickelt sich Magic Voice Music in Zukunft?

Harry: Ich glaube, genau das Nicht-Planbare macht MagicVoice Music aus. Wir entwickeln uns ständig weiter. Neue Ideen entstehen. Neue Genres öffnen sich. Das nächste große Projekt ist gerade das neue Gedankensturm-Album „Truth“ das im September erscheinen soll. Diesmal wieder auf Englisch, härter, direkter und mit viel Punch. Es ist eine Hommage an die bekanntesten Hardrock-Bands unserer Zeit. Auch Sal hat hier wieder einiges beigesteuert und das Album wird wahrscheinlich eines unserer intensivsten Gedankensturm Werke bisher. Momentan liegt der Fokus nur auf diesem Album.
Aber unabhängig von einzelnen Projekten bleibt eines immer gleich:
Wir wollen einfach nur Musik machen. Musik mit Seele. Musik, die nicht nur konsumiert, sondern auch gefühlt wird. Und solange die Menschen das spüren, wird Magic Voice Music weiterleben.

Conny: Ich danke dir!

Harry: Bitte sehr gerne!



Dieses Gespräch wurde am 1. Mai 2026 mit Zoom geführt. Conny ist Studentin, die diese Interviews im Zuge ihres Studienprojekts führt und MagicVoce Music zur Verfügung stellt.