Magic Voice
Interviews

Interviews

Interviews

Interview mit Nick und Ina, die Stimmen hinter Roots´n Sacred

Ein Gespräch über Mut, Liebe, Aufbruch – und darüber, wie aus einer Begegnung ein gemeinsamer Klang wurde.


Conny: Eure Geschichte beginnt nicht im Studio, sondern auf einem Festival. Erzählt mal, wie habt ihr euch kennengelernt?

Nicki: Im August 2022, auf dem Ruhr Reggae-Festival nahe Dortmund. Ich war mit Freunden dort, einfach wegen der Musik. Diese Freiheit, diese Energie das hat mich schon immer angezogen. Und dann habe ich Ina getroffen. Kein großes Drama, kein spektakulärer Moment, aber sofort dieses Gefühl, dass da etwas stimmt. Sie stand vor mir als Ich ein Bier holte.

Ina: Ja, es war ruhig. Fast unscheinbar. Aber genau das war besonders. Wir haben geredet, gelacht, Musik gehört und irgendwie war da sofort eine Verbindung. Wir haben jeden Tag einige Stunden telefoniert und uns über Gott, die Welt und über Musik unterhalten.

Conny: Und dann ging alles ziemlich schnell. Nicki, du hast dein Leben in Deutschland aufgegeben?

Nicki: Ja, nach etwa sechs Wochen. Viele haben gesagt: „Das ist verrückt.“ Und vielleicht hatten sie recht. Aber ich hatte dieses Gefühl, dass ich es machen muss. Es war so ein innerer Drang. Ich habe nicht viel mitgenommen, ein paar persönliche Dinge, meine Instrumente, mein Mikrofon und meinen Computer. Und dann bin ich nach Bankja in Bulgarien zu Ina gefahren.

Conny: Ina, wie hast du diesen Schritt erlebt?

Ina: Sehr intensiv. Es war nicht alles nur romantisch, sondern auch eine echte Entscheidung. Zwei Leben, zwei Kulturen, zwei Wege andere Sprache. Aber ich konnte etwas Deutsch und Nicki hat schon sehr gut Bulgarisch gelernt. Wir musste auch erst unseren Alltag organisieren. Ich arbeite in einem Krankenhaus in Sofia und Nicki musste sich erst einen Job suchen. Er hat letztes Jahr eine Arbeit bei einer Computerfirma gefunden. Aber Bankja hat uns geholfen. Es ist ruhig dort, fast entschleunigt. Diese Ruhe hat uns Raum gegeben. Für uns, unseren Alltag und für unsere Musik.

Conny: Wann wurde aus eurer Beziehung auch ein gemeinsames Musikprojekt?

Nicki: Eigentlich ziemlich schnell. Musik war von Anfang an da. Wir haben viel gehört, viel ausprobiert, einfach gemacht. Ina hat auch eine sehr gute Stimme.

Ina: Abends, oft ganz spontan. Ohne Plan. Manchmal haben wir einfach nur gesungen, manchmal kleine Ideen aufgenommen.
Es ging nicht darum, etwas „Richtiges“ zu schaffen, sondern ums ausprobieren.

Conny: 2024 habt ihr geheiratet. Hat sich dadurch auch eure Musik verändert?

Ina: Ja, sie ist tiefer geworden. Persönlicher. Wenn man sich so nahe ist, verändert sich auch die Art, wie man gemeinsam Musik macht. Es ist einfach mehr Gefühl dabei!

Nicki: Ja, man denkt weniger und fühlt mehr.

Conny: Im selben Jahr kam auch der Kontakt zu Magic Voice Music zustande. Wie lief das ab?

Nicki: Über eine Freundin. Sie wusste, dass wir Musik machen, und hat uns den Kontakt vermittelt.

Ina: Zu diesem Zeitpunkt hatten wir keine Möglichkeit, eine eigene Band aufzubauen. Uns fehlten einfach die Leute vor Ort.
Und genau da kam Magic Voice ins Spiel.

Conny: Was hat euch daran besonders gefallen?

Ina: Dass es funktioniert, auch ohne klassische Bandstruktur. Wir konnten unsere Parts hier in Bulgarien aufnehmen und einbringen. Das war für uns perfekt.

Nicki: Es ging nicht darum, wo du bist, sondern was du einbringst.

Conny: Ihr wart zunächst bei Projekten von Ayvenor beteiligt.

Nicki: Ja, das war unser Einstieg. Wir haben die meisten Gesangsparts übernommen und uns langsam herangetastet.

Ina: Dabei haben wir viel gelernt, vor allem, wie man gemeinsam über Distanz Musik erschafft.

Conny: Wann entstand dann Roots’n Sacred?

Nicki: Eigentlich schon früher, aber es war uns nicht bewusst. Viele Songs unseres Debütalbums waren bereits im März 2025 von Harry fertig geschrieben. Er hatte auch bei den meisten die Komposition schon fertig. Also eine Melodielinie. Ursprünglich sollten sie für ein Ayvenor Projekt verwendet werden und es wurden auch schon 2 Songs aufgenommen. Doch dann kam die Idee ein eigenständiges Projekt daraus zu erschaffen. „Roots´n Sacred“ klingt für Reggae besser als „Ayvenor“ (lacht).

Ina: Irgendwann wurde klar: Diese Songs, diese Texte gehören zu uns. Sie tragen teilweise unsere Geschichte.

Conny: Gab es einen Moment, in dem ihr das ganz deutlich gespürt habt?

Ina: Ja. Wir haben einen Song aufgenommen, ganz ruhig, ohne große Erwartungen.
Und plötzlich war da dieses Gefühl: Das sind wir! „Where We Are“ ist unsere Geschichte! Deshalb bedeutet gerade dieser Song etwas besonderes für uns beide.

Nicki: Es war kein perfekter Moment, aber ein echter voller Liebe und Respekt dem anderen gegenüber. Und genau das zählt.

Conny: Inzwischen habt ihr auch Musiker in eurem Umfeld gefunden. Wird daraus eine Live-Band? Wann können wir euch auf der Bühne sehen?

Nicki: Nein, Nein, das ist für uns kein Thema.

Ina: Wir haben uns ganz bewusst entschieden, eine reine Studioband zu bleiben.

Conny: Warum diese Entscheidung?

Nicki: Weil wir genau so arbeiten wollen, wie wir es jetzt tun. Ohne Druck, ohne Termine, ohne Erwartungen von außen. Sonst verlieren wir unsere besondere Energie die in den Songs steckt.

Ina: Im Studio entsteht unsere Musik in Ruhe. Wir können uns Zeit nehmen, Dinge wachsen lassen. Live-Auftritte würden das verändern und das möchten wir nicht.

Conny: Euer Debütalbum wurde größtenteils in Bulgarien bei euch im Haus aufgenommen. Wie war das für euch?

Ina: Es war sehr besonders. Wir haben uns einen kleinen Bandraum (lacht), nein Studio ( lacht wieder) eingerichtet. Es war sicher nicht perfekt, aber wir haben trotzdem unsere eigenen Erwartungen erfüllt. Es ist ein super Album geworden.

Nicki: Wir haben viel selbst gemacht, viel ausprobiert. Es ging nicht um Perfektion, sondern um Gefühl das wir beide vermitteln wollen.

Conny: Wenn ihr eure Musik in wenigen Worten beschreiben müsstet, was ist Roots’n Sacred?

Nicki: Wahrheit.

Ina: Verbindung und Liebe.

Conny: Wenn ihr auf eure Reise zurückblickt, würdet ihr alles wieder so machen?

Nicki: Auf jeden Fall! Ja.

Ina: Ohne Zweifel.

Conny: Und wie geht es weiter

Nicki: Wir machen weiter Musik.

Ina: Und lassen sie wachsen, Harry sagt immer: „Jeder Song wächst wie er möchte!“

Conny: Vielen Dank euch beiden für dieses Gespräch.

Nicki & Ina: Danke dir.


„Warum gerade die Bergpredigt?“


Ein Gespräch mit Herbert Grandl („Harry“) von MagicVoice Music zum neuen Blues Projekt und den Texten der Bergpredigt.


Conny: Harry, du hast mit Salt’n Blues ein Album geschaffen, das auf der Bergpredigt basiert, einem der zentralsten Texte der Bibel. Warum gerade dieser Zugang?

Harry: Weil die Bergpredigt für mich kein religiöses Dogma ist, sondern ein zeitloser Spiegel für den Menschen. Ich bin nicht katholisch und gehöre keiner bestimmten religiösen Strömung an, aber ich lehne auch keine ab. Im Gegenteil: Ich finde jede Form von Glauben wertvoll, solange sie nicht beginnt, anderen ihre Sichtweise aufzuzwingen. Und genau hier setzt die Bergpredigt an. Sie spricht nicht von Macht oder Kontrolle, sondern von innerer Haltung. Von Demut, von Mitgefühl, von Wahrhaftigkeit. Dinge, die heute oft verloren gehen.

Conny: Du hast die Texte in die heutige Sprache übertragen. War das nicht ein Balanceakt?

Harry: Absolut. Und genau das hat mich gereizt. Mir war wichtig, die Essenz zu bewahren, diesen ursprünglichen Kern. Aber gleichzeitig wollte ich die Worte so übersetzen, dass sie heute wieder fühlbar werden. Viele kennen diese Texte, aber sie erreichen die Menschen nicht mehr. Sie sind zu sehr Ritual geworden. Zu oft gehört, zu selten wirklich verstanden.

Conny: Du sprichst einen spannenden Punkt an, gerade beim „Vater unser“.

Harry: Ja, genau. Ich habe mich gefragt: Warum wird dieses Gebet so oft einfach seelenlos runtergesprochen? Ohne Gefühl, ohne Verbindung. Dabei steckt da so viel Kraft drin. So viel Tiefe. Als wir begonnen haben, das „Vater unser“ musikalisch umzusetzen, ist plötzlich etwas passiert: Der Text hat wieder angefangen zu leben.

Wir haben zwei Versionen daraus gemacht: Eine ruhige, fast meditative… und eine kraftvolle, rockige. Beide zeigen unterschiedliche Facetten desselben Gebets. Und beide haben ihre Berechtigung.

Conny: Wie kam die Zusammenarbeit mit Sal zustande?

Harry: Das war fast schon Schicksal. Mit Sal, also Salomon, haben wir genau den Musiker gefunden, den diese Songs gebraucht haben. Seine Stimme trägt Lebenserfahrung. Tiefe. Schmerz, Trauer, aber auch ganz viel Hoffnung, Harmonie und Lebenserfahrung. Wir haben die Songs gemeinsam entwickelt, und er hat sie auf seine ganz eigene Weise interpretiert. Er hat nicht einfach gesungen, er hat den Text getragen. Und dann kam noch etwas Entscheidendes dazu: Er hat meine deutschen Texte ins Englische übertragen. Möglichst wortwörtlich aber auch mit sehr viel Gefühl für den Inhalt. Warum weißt du ja aus dem Interview mit ihm. Dadurch haben die Songs eine ganz neue Ebene bekommen.

Conny: Das klingt nach einem sehr organischen Prozess.

Harry: Der war es auch. Und genau das ist für mich MagicVoice Music. Wir folgen keinen Trends. Wir bauen Musik nicht für Algorithmen sondern wir erzählen Geschichten. Wir lassen die Dinge wachsen. Manchmal langsam. Aber dafür ehrlich.

Conny: Du hast angekündigt, dass die Bergpredigt noch in weiteren Stilrichtungen erscheinen wird. Erzähl uns mehr.

Harry: Ja, das war von Anfang an meine Vision und Plan.

Dieser Text ist so kraftvoll, dass er sich nicht auf ein Genre beschränken lässt. Deshalb wird es Anfang 2027 eine Blues-Version auf Deutsch mit Sajahel Rising geben, sehr erdig, sehr direkt. Parallel arbeiten wir bereits an einer Symphonic-Metal-Version mit Deus Lux. Groß, episch, fast wie ein musikalisches Oratorium. Für mich ist das wie ein Prisma: Derselbe Text, aber je nach musikalischem Licht zeigt er eine andere Farbe.

Conny: Das heißt, die Botschaft bleibt, aber die Form verändert sich?

Harry: Genau. Und vielleicht ist das auch der Schlüssel, damit die Menschen darüber nachdenken was ihnen vor langer Zeit gegeben wurde. Die Worte sind alt, aber ihre Bedeutung ist aktueller denn je. Wenn wir es schaffen, sie so zu transportieren, dass Menschen sie wieder fühlen, dann haben wir etwas erreicht.

Conny: Was wünschst du dir, dass die Menschen aus diesem Album mitnehmen?

Harry: Dass sie kurz innehalten. Dass sie vielleicht nicht nur zuhören, sondern sich selbst darin entdecken und über sich und ihr Leben nachdenken und es vielleicht sogar verändern. Die Bergpredigt ist kein Text über „richtig“ oder „falsch“. Sie ist eine Einladung, eine Einladung, das eigene Herz wieder ernster zu nehmen.

Conny: Ein starkes Schlusswort. Danke dir, Harry.

Harry: Danke dir. 🙏


Interview mit „Sal“ Der Stimme von Salt´n Blues

Ein Gespräch über ein Leben zwischen den Kontinenten, Musik als Lebensbegleiter – und die Rückkehr einer Stimme, die schon fast verstummt war.


Conny: Sal, oder besser gesagt Salomon, so ist dein eigentlicher Name. Du bist 65 Jahre alt und hast eine lange Reise hinter dir. Lass uns ganz am Anfang beginnen: Wo hat alles angefangen?

Salomon „Sal“: In Detroit. Das war meine Welt als junger Mensch. Eine Stadt voller Musik, voller Soul, Blues und Rock. Musik war dort nichts Besonderes, sie war einfach überall da. Ich bin damit aufgewachsen, ob ich wollte oder nicht. Aber auch etwas anderes hat mich geprägt: Mein Vater. Er war ein sehr gläubiger, sehr christlicher Mensch, wie man an meinem Vornamen schon erkennen kann. Der Glaube spielte in unserem Zuhause eine große Rolle. Ich wurde früh mit Religion konfrontiert, mit Bibeltexten, mit Gebeten, mit diesem Gefühl, dass es etwas Größeres gibt als uns Menschen. Als junger und Cooler Typ war das für mich allerdings nicht immer leicht. In den stürmischen Jahren der Jugend entfernst du dich oft von solchen Dingen. Du willst deinen eigenen Weg gehen, deine eigenen Erfahrungen machen. Und genau das habe ich auch getan. Da meine Eltern mit meinem Lebenswandel große Probleme hatten.

Conny: Mit 26 hast du Detroit verlassen und bist nach Europa gegangen, hast du mir vorhin erzählt. Warum?

Sal: Ich hatte das Gefühl, dass ich weiterziehen muss. Es war keine große, durchdachte Entscheidung, eher ein innerer Impuls. Ich ging zunächst 4 Jahre nach Holland, auf einen Fischtrawler und später nach Deutschland. Dort begann für mich eigentlich erst die bewusste, musikalische Entwicklung. Ich habe angefangen, intensiver Gitarre zu spielen, habe geübt, experimentiert, meinen eigenen Stil gesucht. Irgendwann kam auch Gesangsunterricht dazu. Da habe ich gemerkt: Die Stimme ist wie ein Instrument, das man formen kann.

Conny: Du warst in einigen Bands aktiv. Was hat dich in dieser Zeit geprägt?

Sal: Sehr viel. Ich war oft Gitarrist, manchmal Sänger, manchmal beides. Jede Band war anders, jede hatte ihre eigene Dynamik.
In den 80er Jahren hatte ich sogar die Möglichkeit, kurz als Backgroundsänger im Studio eines bekannten deutschen Musikers mitzuwirken. Das war sehr spannend, weil ich dort gesehen hatte, wie professionell Musikproduktionen funktionieren. Aber noch wichtiger war die Erfahrung, mit Menschen Musik zu machen. Das hat mich geprägt, im Positiven sowie im Herausfordernden oder auch im Negativen.

Conny: Dann kam vor sieben Jahren die Diagnose Parkinson. Wie hat die dein Leben verändert?

Sal: Es war ein Einschnitt. Einer dieser Momente, die dich zuerst verzweifeln lassen aber dann das Leben neu sortieren. Ich habe mich damals zurückgezogen auch aus der Musik. Nicht, weil ich sie nicht mehr wollte, sondern weil ich dachte, ich kann nicht mehr so weitermachen wie früher.

Ich brauchte meine Zeit um mich mit all dem, was noch kommen kann, auseinanderzusetzen. Ich musste weg von meinem alten Denken, meinen alten Gewohnheiten.

Und gleichzeitig passierte etwas anderes: Ich begann, mich wieder mit meinen Wurzeln zu beschäftigen. Mit dem, was ich als Kind von zuhause mitbekommen hatte. Ich bin nicht zurück zur Kirche gegangen oder zu festen Strukturen. Aber ich bin zurück zur Bibel gegangen. Zu den ursprünglichen Texten.
Ich habe angefangen, sie anders zu lesen, zu verstehen, nicht als Regeln, sondern als Worte, die etwas in mir bewegen können. Auf meine Art bin ich wieder zu „meinem persönlichen“ Glauben zurückgekehrt.

Conny: Und dann kam dieser Anruf, der vieles verändert hat.

Sal: Ja. Ein alter Freund hat mich angerufen und gefragt, warum ich keine Musik mehr mache. Es war kein langes Gespräch, sondern nur eine einfache Frage, so ist es mir jedenfalls in Gedanken geblieben. Aber diese Frage hat einiges in mir ausgelöst. Ich habe angefangen, wieder zur Gitarre zu greifen. Ganz vorsichtig, behutsam. Dabei habe sofort gemerkt: Yeah, die Musik ist noch da. Vielleicht anders, ruhiger, bedächtiger, entspannter, aber sie war noch da.

Conny: So bist du schließlich Teil von Salt’n Blues geworden.

Sal: Genau. Über Kontakte und schließlich über Harry und sein Team von Magic Voice Music. Was mich sofort angesprochen hat, war ihre Sichtweise auf die Musik und wie die Gruppe damit umgeht. Es ging nicht um das normale Oberfläche, es ging auch nicht um Streamingzahlen oder einen Erfolg, sondern um die Tiefe jedes Songs. Um die einzelnen Texte, die jedem im Team etwas eigenes bedeuten.

Das „Bergpredigt-Projekt“ hat mich sofort fasziniert. Vielleicht auch deshalb, weil ich mich gerade wieder mit diesen Themen beschäftigt hatte. Es sollten die alten, weisen Worte der Bergpredigt in unsere heutige Sprache übertragen werden.

Conny: Du hast gemeinsam mit Harry an den Songs gearbeitet und die Texte ins Englische übertragen.

Sal: Ja, aber das war mehr als nur ein übersetzen in eine andere Sprache. Es war ein Eintauchen in diese Worte. Du musst zuerst verstehen, was hinter den Worten steht, sonst kannst du sie nicht glaubwürdig interpretieren. Meine Aufgabe war es, die Essenz zu erhalten, die Emotion, die Tiefe und den Text von Harry in eine andere Sprache zu bringen, die auch musikalisch in Englisch funktioniert. Ja, dann kommt noch der wichtigste Teil: Die Stimme, meine Stimme. Wie du etwas singst, entscheidet oft darüber, ob es in der Seele ankommt. Du kannst die Worte schreien, brüllen oder sie samtig rauh singen. Wichtig ist, dass sie das Herz und die Seele berühren.

Conny: Wie kam es zu dem Namen Salt´n Blues (Salz und Blues)?

Sal: Harry wollte ursprünglich Sal´n Blues. Ich finde aber, das wir Menschen das Salz der Erde sind, wie es in der Bergpredigt beschrieben wurde. Daher kam für mich nur „Salt“ in Frage. In der Bergpredigt gibt es einen Teil, der genau das Salz der Erde beschreibt (Matthäus 5,13). Auf unserem Album ist dies der zweite Titel. So einigten wir uns alle auf Salt.

Conny: Nun zurück zu dir! Live-Auftritte sind dir heute, aufgrund deiner Krankheit, nicht mehr möglich. Wie gehst du damit um?

Sal: Ich habe Frieden damit geschlossen. Natürlich fehlt etwas, die direkte Verbindung zum Publikum. Aber gleichzeitig habe ich etwas anderes gewonnen: Ruhe. Konzentration. Tiefe und die Harmonie in mir und meiner Seele. Im Studio kann ich mich ganz auf die Musik einlassen. Und ich arbeite wieder mit alten Bandkollegen zusammen, die mich unterstützen aber mich auch kritisieren, wenn etwas nicht „passt“. Diese Zusammenarbeit bedeutet mir sehr viel. Wie sagt Harry immer: „Jede Kritik ist ein Feedback!“ (lacht).

Conny: Du arbeitest aktuell auch an einem weiteren Projekt mit Harry.

Sal: Ja, wir arbeiten an einem neuen Blues-Album für Sajahel Rising. Das wird ein ruhigeres, sehr persönliches Album. Ähnlich dem letzten Album „Stimme aus der Dunkelheit“. Die Texte sind exakt die deutschen Texte, die ich für Salt´n Blues auf Englisch übersetzt hatte. Praktisch eine deutsche, übersetzte Version. Wir wollten hier aber nicht den Salt´n Blues Sound kopieren, sondern ganz eigene Songs erschaffen. So entsteht gerade ein ganz neues Album, auch wenn die Texte sich nur in der Landessprache verändert haben. Es ist für mich, als würde sich der Kreis schließen.

Conny: Wenn du heute auf dein Leben schaust: Was bedeutet Musik heute für dich?

Wieviel hast du verkauft, wieviele Fans hast du und wieviele waren am letzten Gig. Heute geht es um etwas anderes, etwas Inneres. Es geht um die innre, tiefe Haltung und nicht mehr nur ums oberflächliche Ego. Es passt ganz gut zu meinem Leben: Man geht weg, verliert Dinge, findet neue Wege und irgendwann kehrt man zu dem zurück, was schon immer da war. Eine Art erneuerte Rückbesinnung. Heute denke ich viel an meinen Vater und seine Werte. Ich verstehe ihn heute besser in seinen Reaktionen, wenn auch nicht alle. Die Geschichte beschreibt der Song „Stimme in der Dunkelheit“ sehr treffend. Du bist auf der Suche, stehst alleine und dann plötzlich erkennst du, dass alles schon lange in dir selbst liegt! (lacht).

Conny: Und wie geht es weiter?

Sal: Mit Freude. Einfach mit Freude.

Conny: Salomon, vielen Dank für dieses offene und berührende Gespräch.

Sal: Bitte gerne!

Nächstes Interview mit Eliška, der Stimme von Deus Lux!