Interviews
Interview mit Avaleen – Stimme, Seele und Leidenschaft
Ein Gespräch über Musik, Träume und den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen.
Interview mit Avaleen – Stimme, Gefühl und gelebte Leidenschaft
Conny: Avaleen, du singst schon seit deiner Kindheit. Erinnerst du dich noch an den Moment, in dem dir klar wurde, dass Musik für dich mehr ist als nur ein Hobby?

Avaleen: Ja, daran erinnere ich mich sehr gut. Ich war vielleicht sechs oder sieben Jahre alt und habe eigentlich ständig gesungen, ganz egal wo. Für meine Familie war irgendwann klar: Das ist mehr als nur ein Zeitvertreib. Für mich war Singen immer ein sicherer Ort. Ein Raum, in dem ich mich ausdrücken konnte, ohne etwas erklären zu müssen. Dort konnte ich wirklich atmen. Rückblickend weiß ich: Da hat sich schon gezeigt, dass Musik ein fester Teil meines Lebens werden würde.
Conny: Du hast später sogar eine klassische Gesangsausbildung begonnen, diese aber wieder abgebrochen. Warum?
Avaleen: Die klassische Ausbildung war unglaublich wertvoll für mich. Ich habe dort sehr viel über Technik, Atmung und Kontrolle gelernt. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mich selbst dabei verliere. Es war alles sehr streng, sehr korrekt und mir fehlte das Emotionale, das Freie. Ich wollte nicht nur „richtig“ singen, sondern wahrhaftig sein. Ich wollte fühlen dürfen. Also habe ich den Mut gefasst, diesen für mich starren Weg zu verlassen. Das Singen selbst habe ich aber nie aufgegeben. Ich kann nur nicht auf einer Bühne singen – da blockiert mich die Nervosität komplett. Ich bekomme dann keinen Ton heraus und plötzliche Angstzustände machen mich bewegungsunfähig. In meinem Studio hingegen, fühle ich mich sicher.
Conny: Heute hast du dein eigenes kleines Studio zu Hause. Wie kam es dazu?
Avaleen: Das war ein großer Wunsch von mir. Ich wollte unabhängig sein, spontan aufnehmen können, wenn die Inspiration da ist. In meinem kleinen Studio kann ich nachts singen, wenn alles ruhig ist, oder morgens, wenn die Stimme frisch ist. Es ist mein geschützter Raum, mein kreativer Rückzugsort. Dort darf ich einfach ich selbst sein, ohne Druck, ohne Erwartungen. Wobei „Studio“ ja sehr hochgegriffen ist. Es ist eigentlich nur ein schalldichter, kleiner Raum mit Micro und Computer. (lacht)
Conny: Seit 2023 bist du Teil von MagicVoice Music und hast dort die Hauptstimme übernommen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Avaleen: Das hat sich ganz natürlich ergeben. Ich habe Herbert „Harry“ Grandl ein Demo gesendet und er hat mich sofort angerufen. Wir haben dann 4 Stunden per Zoom miteinander gesprochen und haben sofort gemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge liegen! Musikalisch, menschlich und auch spirituell. Bei MagicVoice geht es nicht um Geld, Erfolg oder ums persönliche Ego. Es geht um echte Leidenschaft für Musik und ganz wichtig ist uns auch der spirituelle Gedanke, der sich in allen Produktionen wiederfindet. Dass ich dort die Hauptstimme übernehmen durfte, hat mich unglaublich geehrt. Ich bin außerdem in die Planung der Gesangsproduktionen eingebunden, bzw. ich plane alles was mit dem Gesang zu tun hat, was mir sehr viel bedeutet. Es ist ein großer Vertrauensbeweis vom ganzen Team. Am Anfang waren wir nur eine kleine Gruppe, viele sind inzwischen andere Wege gegangen. Heute haben wir ein Team, das perfekt harmoniert. Wir tauschen uns regelmäßig aus, besprechen neue Ideen, Stile und Projekte. Harry bringt oft die verrücktesten und kreativsten Einfälle – und genau das macht es so spannend. Einfach ausprobieren, umsetzen und warten was sich daraus ergibt!
Conny: Deine Stimme passt besonders gut zur keltisch-irischen Musik. War das eine bewusste Entscheidung?
Avaleen: Eigentlich nicht. Es hat sich einfach ergeben. Als wir die ersten Stücke in diese Richtung ausprobiert haben, war sofort klar: Das funktioniert. Diese melancholischen, mystischen Klänge, diese Weite, das Mystische – das entspricht einfach meinem inneren Empfinden. Deshalb haben wir uns auch entschieden, dafür ein eigenes Projekt unter dem Pseudonym “Avaleen” zu starten. Es ist wie eine eigene kleine Welt, in die man eintauchen kann. Ich denke man kann meine Gefühle und Emotionen hören und auch fühlen. Auch Kyra hat einen Part übernommen und war begeistert von dieser Energie. Mit ihr kann ich besonders gut zusammenarbeiten, da wir unterschiedliche Stimmen haben, die sich bestens ergänzen.
Conny: Ein besonderes Highlight für Dich ist euer Album JAZ. Was bedeutet dieses Projekt für dich?
Avaleen: JAZ ist für mich ein absolutes Herzensprojekt. Schon lange hatte ich den Wunsch, ein Album zu machen, das sich nicht in eine Schublade stecken lässt. Gemeinsam mit Harry und Kyra ist etwas sehr Echtes entstanden. Jeder von uns hat seine Persönlichkeit, seine Gefühle und seine Geschichte eingebracht. Wir haben es lange als Stiefkind betrachtet, bis Harry immer wieder von den ersten Titeln schwärmte. Er hatte mir und Kyra die neuen Texte gemailt und eine Melodie dazu. Ganz ohne Vorwarnung. Schon waren wieder alle im Team dabei! Für alle war es etwas Neues. Ein Stil in dem sich alle erst einfinden mussten. Das Album ist eine Mischung aus Jazz, Funk, Soul und Pop. Eigentlich nichts, was man klar definieren könnte. Und genau das macht es für mich so besonders. JAZ steht bei uns für Freiheit, Vertrauen, Freude, für kreative Nähe und das Leben.
Conny: Wie verläuft die Zusammenarbeit? Ihr wohnt ja alle in den verschiedenen Ecken von Europa?
Avaleen: Ja genau! Ich hätte mir nie denken können das dies funktionieren könnte, aber es funktioniert ganz gut. Harry schreibt alle Texte und macht meist die Grundmelodie. Dann setzen die verschiedenen Musiker dies um. Wenn er seine Spur fertig hat, sendet er sie dem nächsten, der ebenfalls seinen Beitrag leistet. So läuft es durch. Manchmal singe ich nur zu der Grundmelodie ein und die anderen gestalten ihren Part hinzu und manchmal ist alles fertig und es fehlt nur die Gesangsspur. Ich entscheide dann meist wer hier passend wäre.
Conny: Ist dann niemand beleidigt wenn er nicht drankommt?
Avaleen: Nein (lacht). Ich sagte schon bei uns gibt es sowas wie ein Ego nicht. Jeder darf wenn er möchte und kann. Wenn nicht in diesem Song dann im nächsten. Genau dies macht uns so einzigartig! Es singt auch Kyra bei Avaleen mit und ich singe bei den anderen Projekten genau wie Maria, die mit ihrer Stimme fast überall passt. Nur bei JAZ waren ausschliesslich Kyra und Ich involviert.
Conny: Was wünschst du dir für die Zukunft?
Avaleen: Ich wünsche mir, dass ich mir diese Leidenschaft bewahren kann. Dass ich weiterhin Musik machen darf, die Menschen berührt, ganz egal ob sie leise oder kraftvoll ist. Am liebsten weiterhin aus meinem kleinen Studio heraus, gemeinsam mit MagicVoice, Harry und unserem Team. Musik ist für mich kein Ziel, sondern ein Weg – mein Weg. Und ich hoffe, dass ich diesen Weg noch lange weitergehen darf und freue mich auf weitere Herausforderungen die sicherlich noch kommen werden.
Conny: Vielen Dank, Avaleen, für dieses offene und berührende Gespräch.
Avaleen: Ich danke Dir. Es bedeutet mir sehr viel, einmal über das sprechen zu dürfen, was mein Herz wirklich erfüllt.
Dieses Interview wurde von Conny Mersinger im Dezember 2025 geführt. Eine junge Redaktionsassistentin, die ihren ersten Job bei einem Printmedium in Deutschland ausübt.