Magic Voice
Interviews

Interviews

Interviews

Interview mit Avaleen – Stimme, Seele und Leidenschaft

Ein Gespräch über Musik, Träume und den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen.


Interview mit Avaleen – Stimme, Gefühl und gelebte Leidenschaft

Conny: Avaleen, du singst schon seit deiner Kindheit. Erinnerst du dich noch an den Moment, in dem dir klar wurde, dass Musik für dich mehr ist als nur ein Hobby?

Avaleen: Ja, daran erinnere ich mich sehr gut. Ich war vielleicht sechs oder sieben Jahre alt und habe eigentlich ständig gesungen, ganz egal wo. Für meine Familie war irgendwann klar: Das ist mehr als nur ein Zeitvertreib. Für mich war Singen immer ein sicherer Ort. Ein Raum, in dem ich mich ausdrücken konnte, ohne etwas erklären zu müssen. Dort konnte ich wirklich atmen. Rückblickend weiß ich: Da hat sich schon gezeigt, dass Musik ein fester Teil meines Lebens werden würde.

Conny: Du hast später sogar eine klassische Gesangsausbildung begonnen, diese aber wieder abgebrochen. Warum?

Avaleen: Die klassische Ausbildung war unglaublich wertvoll für mich. Ich habe dort sehr viel über Technik, Atmung und Kontrolle gelernt. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mich selbst dabei verliere. Es war alles sehr streng, sehr korrekt und mir fehlte das Emotionale, das Freie. Ich wollte nicht nur „richtig“ singen, sondern wahrhaftig sein. Ich wollte fühlen dürfen. Also habe ich den Mut gefasst, diesen für mich starren Weg zu verlassen. Das Singen selbst habe ich aber nie aufgegeben. Ich kann nur nicht auf einer Bühne singen – da blockiert mich die Nervosität komplett. Ich bekomme dann keinen Ton heraus und plötzliche Angstzustände machen mich bewegungsunfähig. In meinem Studio hingegen, fühle ich mich sicher.

Conny: Heute hast du dein eigenes kleines Studio zu Hause. Wie kam es dazu?

Avaleen: Das war ein großer Wunsch von mir. Ich wollte unabhängig sein, spontan aufnehmen können, wenn die Inspiration da ist. In meinem kleinen Studio kann ich nachts singen, wenn alles ruhig ist, oder morgens, wenn die Stimme frisch ist. Es ist mein geschützter Raum, mein kreativer Rückzugsort. Dort darf ich einfach ich selbst sein, ohne Druck, ohne Erwartungen. Wobei „Studio“ ja sehr hochgegriffen ist. Es ist eigentlich nur ein schalldichter, kleiner Raum mit Micro und Computer. (lacht)

Conny: Seit 2023 bist du Teil von MagicVoice Music und hast dort die Hauptstimme übernommen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Avaleen: Das hat sich ganz natürlich ergeben. Ich habe Herbert „Harry“ Grandl ein Demo gesendet und er hat mich sofort angerufen. Wir haben dann 4 Stunden per Zoom miteinander gesprochen und haben sofort gemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge liegen! Musikalisch, menschlich und auch spirituell. Bei MagicVoice geht es nicht um Geld, Erfolg oder ums persönliche Ego. Es geht um echte Leidenschaft für Musik und ganz wichtig ist uns auch der spirituelle Gedanke, der sich in allen Produktionen wiederfindet. Dass ich dort die Hauptstimme übernehmen durfte, hat mich unglaublich geehrt. Ich bin außerdem in die Planung der Gesangsproduktionen eingebunden, bzw. ich plane alles was mit dem Gesang zu tun hat, was mir sehr viel bedeutet. Es ist ein großer Vertrauensbeweis vom ganzen Team. Am Anfang waren wir nur eine kleine Gruppe, viele sind inzwischen andere Wege gegangen. Heute haben wir ein Team, das perfekt harmoniert. Wir tauschen uns regelmäßig aus, besprechen neue Ideen, Stile und Projekte. Harry bringt oft die verrücktesten und kreativsten Einfälle – und genau das macht es so spannend. Einfach ausprobieren, umsetzen und warten was sich daraus ergibt!

Conny: Deine Stimme passt besonders gut zur keltisch-irischen Musik. War das eine bewusste Entscheidung?

Avaleen: Eigentlich nicht. Es hat sich einfach ergeben. Als wir die ersten Stücke in diese Richtung ausprobiert haben, war sofort klar: Das funktioniert. Diese melancholischen, mystischen Klänge, diese Weite, das Mystische – das entspricht einfach meinem inneren Empfinden. Deshalb haben wir uns auch entschieden, dafür ein eigenes Projekt unter dem Pseudonym “Avaleen” zu starten. Es ist wie eine eigene kleine Welt, in die man eintauchen kann. Ich denke man kann meine Gefühle und Emotionen hören und auch fühlen. Auch Kyra hat einen Part übernommen und war begeistert von dieser Energie. Mit ihr kann ich besonders gut zusammenarbeiten, da wir unterschiedliche Stimmen haben, die sich bestens ergänzen.

Conny: Ein besonderes Highlight für Dich ist euer Album JAZ. Was bedeutet dieses Projekt für dich?

Avaleen: JAZ ist für mich ein absolutes Herzensprojekt. Schon lange hatte ich den Wunsch, ein Album zu machen, das sich nicht in eine Schublade stecken lässt. Gemeinsam mit Harry und Kyra ist etwas sehr Echtes entstanden. Jeder von uns hat seine Persönlichkeit, seine Gefühle und seine Geschichte eingebracht. Wir haben es lange als Stiefkind betrachtet, bis Harry immer wieder von den ersten Titeln schwärmte. Er hatte mir und Kyra die neuen Texte gemailt und eine Melodie dazu. Ganz ohne Vorwarnung. Schon waren wieder alle im Team dabei! Für alle war es etwas Neues. Ein Stil in dem sich alle erst einfinden mussten. Das Album ist eine Mischung aus Jazz, Funk, Soul und Pop. Eigentlich nichts, was man klar definieren könnte. Und genau das macht es für mich so besonders. JAZ steht bei uns für Freiheit, Vertrauen, Freude, für kreative Nähe und das Leben.

Conny: Wie verläuft die Zusammenarbeit? Ihr wohnt ja alle in den verschiedenen Ecken von Europa?

Avaleen: Ja genau! Ich hätte mir nie denken können das dies funktionieren könnte, aber es funktioniert ganz gut. Harry schreibt alle Texte und macht meist die Grundmelodie. Dann setzen die verschiedenen Musiker dies um. Wenn er seine Spur fertig hat, sendet er sie dem nächsten, der ebenfalls seinen Beitrag leistet. So läuft es durch. Manchmal singe ich nur zu der Grundmelodie ein und die anderen gestalten ihren Part hinzu und manchmal ist alles fertig und es fehlt nur die Gesangsspur. Ich entscheide dann meist wer hier passend wäre.

Conny: Ist dann niemand beleidigt wenn er nicht drankommt?

Avaleen: Nein (lacht). Ich sagte schon bei uns gibt es sowas wie ein Ego nicht. Jeder darf wenn er möchte und kann. Wenn nicht in diesem Song dann im nächsten. Genau dies macht uns so einzigartig! Es singt auch Kyra bei Avaleen mit und ich singe bei den anderen Projekten genau wie Maria, die mit ihrer Stimme fast überall passt. Nur bei JAZ waren ausschliesslich Kyra und Ich involviert.

Conny: Was wünschst du dir für die Zukunft?

Avaleen: Ich wünsche mir, dass ich mir diese Leidenschaft bewahren kann. Dass ich weiterhin Musik machen darf, die Menschen berührt, ganz egal ob sie leise oder kraftvoll ist. Am liebsten weiterhin aus meinem kleinen Studio heraus, gemeinsam mit MagicVoice, Harry und unserem Team. Musik ist für mich kein Ziel, sondern ein Weg – mein Weg. Und ich hoffe, dass ich diesen Weg noch lange weitergehen darf und freue mich auf weitere Herausforderungen die sicherlich noch kommen werden.

Conny: Vielen Dank, Avaleen, für dieses offene und berührende Gespräch.

Avaleen: Ich danke Dir. Es bedeutet mir sehr viel, einmal über das sprechen zu dürfen, was mein Herz wirklich erfüllt.

Dieses Interview wurde von Conny Mersinger im Dezember 2025 geführt. Eine junge Redaktionsassistentin, die ihren ersten Job bei einem Printmedium in Deutschland ausübt.


Interview mit Kyra Vance – Zwischen Struktur , Gefühl und Freiheit

Die leise Kraft der Stimme

Conny: Kyra, du hast erst relativ spät begonnen zu singen. Wie kam Musik überhaupt in dein Leben?


Kyra: Ich glaube, Musik war immer da – nur sehr leise. Ich war kein Kind, das auf der Bühne stehen wollte oder ständig gesungen hat. Ich habe eher beobachtet, zugehört, gefühlt. Mit etwa fünfzehn habe ich angefangen, für mich zu singen. Nicht aus Ehrgeiz, sondern weil ich es brauchte. Es war ein Rückzugsort, etwas ganz Eigenes. In Momenten, in denen Worte nicht gereicht haben, war das Singen einfach da.

Conny: Heute arbeitest du hauptberuflich als Buchhalterin, in einem sehr strukturierten Beruf. Wie passt das mit deiner künstlerischen Seite zusammen?

Kyra: Für viele klingt das wie ein Widerspruch, für mich ist es ein Gleichgewicht. Mein Beruf gibt mir Stabilität, Klarheit, Struktur. Die Musik ist das Gegenteil – sie ist frei, emotional, manchmal auch chaotisch. Ich brauche beides. Ohne die Ordnung als Buchhalterin würde ich mich verlieren, ohne die Musik würde mir aber etwas Entscheidendes fehlen. Beides ergänzt sich gegenseitig für mich.

Conny: Du warst früher in verschiedenen Rockbands aktiv. Was hast du aus dieser Zeit mitgenommen und warum hast du diese Zeit hinter dir gelassen?


Kyra: Die Zeit in den Bands war intensiv. Laut, energiegeladen, manchmal großartig aber auch anstrengend. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass es oft weniger um die Musik ging, sondern um Aufmerksamkeit, um Machtverhältnisse und um die Egos der Einzelnen Bandmitglieder. Das hat mir irgendwann die Freude genommen.
Ich habe erkannt, dass ich für mich keine Bühne brauche, auf der ich mich behaupten muss. Daher trete ich auch nicht mehr auf einer Bühne auf! Ich habe erkannt, dass ich einen Raum brauche, in dem ich einfach sein darf, wie ich bin. Das war ein teils schmerzhafter, aber auch wichtiger, heilender Lernprozess für mich.

Conny: Heute hast du dir bei deinen Eltern einen eigenen kleinen Raum im Keller zum Singen geschaffen. Was bedeutet dir dieser Ort?

Kyra: Sehr viel. Es ist kein Studio, sondern eher ein Rückzugsort. Dort darf ich alles sein, laut, leise, unsicher oder auch mutig. Es ist der einzige Ort, an dem ich völlig ohne Bewertung bin und an dem ich so bin, wie ich bin.
Manchmal singe ich nur ein paar Töne, manchmal arbeite ich stundenlang an einer Zeile. Es geht nicht um Perfektion, sondern um Ehrlichkeit. Dieser Raum hat mir geholfen, meine Stimme neu kennenzulernen.

Conny: Wie bist du schließlich zu MagicVoice gekommen?

Kyra: Tatsächlich über einen Bekannten, der wusste, dass ich singe. Er meinte irgendwann ganz beiläufig: „Du würdest da gut reinpassen.“
Ich war erst skeptisch. Ich hatte nicht vor, mich wieder irgendwo einzubringen. Aber ich habe mir die Musik angehört – und sie hat mich sofort berührt. Sie war ehrlich, atmosphärisch, ohne Show. Also habe ich es einfach ausprobiert. Der erste Kontakt war überraschend unkompliziert. Harry ist sehr verständnisvoll und lässt jeden einzelnen “atmen”. Er sagte: “Dass nur in der persönlichen Freiheit die wahre Energie des Einzelnen zum Vorschein kommt!” Er machte keine großen Versprechen, keinen Druck. Er stellte mir am Schluss des Zoomcalls nur die Frage: “Hast du Lust, Teil von uns zu sein?”

Und das hatte ich. Das war tatsächlich ein eher leiser Weg. Ich dachte: Ich probiere es aus, mehr nicht. Doch schon nach den ersten Gesprächen und Aufnahmen hatte ich das Gefühl, dass hier etwas anders ist. Es ging nicht um Rollen oder Positionen, sondern um Musik und eine respektvolle Haltung allen Personen im Team gegenüber.
Als ich dann meine Stimme einbringen durfte, hatte ich zum ersten Mal nicht das Gefühl, mich beweisen zu müssen. Ich durfte einfach sein, wie ich bin. Das war neu – und sehr befreiend.

Conny: Auch beim Album JAZ bist du stark eingebunden. Wie hast du dieses Projekt erlebt?

Kyra: JAZ war für mich etwas ganz Besonderes. Es war kein klassisches Albumprojekt mit festen Regeln was den Musikstil betrifft. Es war eher ein Prozess, ein gemeinsames Wachsen der sich entwickelt hat.
Wir drei hatten das Gefühl, die Songs sind entstanden, weil sie entstehen wollten. Manchmal aus Gesprächen, manchmal aus Stimmungen, manchmal aus Momenten, die man nicht planen kann. Ich habe viel von mir in die einzelnen Songs hineingelegt – nicht bewusst, sondern ganz natürlich.
Die Zusammenarbeit mit Avaleen war dabei etwas sehr Besonderes für mich. Unsere Stimmen haben sich nicht konkurriert, sondern ergänzt. Wir beide, eigentlich sehr verletzliche Personen, haben uns selbst zum Teil in den einzelnen Liedern gefunden. Wichtig für Menschen wie mich und Avaleen ist, dass es keinen Druck gibt und keine Vergleiche. Es kam vom ganzen Team nur Vertrauen und Bestätigung. Und das hört man, glaube ich.

Conny: Was macht MagicVoice für dich besonders?

Kyra: Dass es nicht um Selbstdarstellung geht. Niemand versucht, sich in den Vordergrund zu stellen. Es geht um die Musik, um die Idee dahinter. Jeder bringt das ein, was er kann – nicht mehr, nicht weniger.
Für mich ist das unglaublich wertvoll. Ich habe dort einen Platz gefunden, an dem ich nichts beweisen muss. Und genau dadurch entsteht für mich die beste, echteste Musik.

Conny: Wie geht’s nun weiter, nachdem das Album “JAZ” fertiggestellt ist? Was sind für Projekte geplant?

Kyra: Wir arbeiten gerade an einem neuen HGP Projekt. Avaleen und ich sind in einem “HGP-Flow” und freuen uns jeden Tag, wenn wir wieder etwas eingesungen haben. Letztendlich haben wir bei keinem Projekt keine Planung. Wir “zoomen” und so entstehen unsere Ideen. Harry haut wieder eine Idee raus und hat auch meistens schon was vorbereitet. Unser “Ayvenor” Reggae Album zum Beispiel war so eine Idee. Nie wären wir auf die Idee gekommen Reggae zu machen, aber ich denke, das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.  

Conny: Was wünschst du dir für deine musikalische Zukunft?

Kyra: Ich wünsche mir, dass ich mir diese Ehrlichkeit bewahre. Dass ich Musik machen darf, die nicht laut sein muss, um gehört zu werden. Wenn ein Lied jemanden berührt, ihm vielleicht einen Moment Ruhe schenkt – dann ist das für mich alles, was ich brauche.

Conny: Vielen Dank, Kyra, für dieses offene und sehr persönliche Gespräch.

Kyra: Danke Dir. Es tut gut, über all das sprechen zu dürfen. Musik ist für mich kein Ziel und auch kein Weg – sie ist ganz einfach ein Teil von mir.


Interview mit Herb „Harry“ Grandl – Gründer von Magic Voice Music

Ein ausführliches Gespräch über Anfänge, Teamgeist, Instrumente und die Frage, warum Musik mehr ist als ein Hobby.

Conny: Wir haben kurz vor Weihnachten, vielen Dank, dass du dir trotz der intensiven Zeit Zeit für dieses Gespräch nimmst.
Harry, wenn man heute auf Magic Voice Music blickt, wirkt es wie ein gewachsenes Universum aus Projekten, Stimmen und Stilrichtungen. Lass uns ganz am Anfang beginnen: Wie kam es zur Gründung von MacigVoice Music?

Harry: Die Gründung war weniger das Ergebnis eines Businessplans als vielmehr eines inneren Drängens, im positiven Sinn. Ich hatte das Gefühl, dass Musik in mir arbeitet und nach außen will. Nicht im Sinne von „Ich mache ein paar Songs“, das habe ich durchaus versucht, aber es hat nicht funktioniert. Es ging um mehr. Um das Bedürfnis, etwas zu erschaffen, das Menschen berührt. Magic Voice Music entstand aus der Idee eines kreativen Zuhauses: eines Ortes, an dem Musik entstehen kann, ohne die typischen Reibungspunkte wie Ego, Konkurrenz und Statusdenken. Ich war selbst in einer Band und habe oft erlebt, wie schwierig es ist, alle auf einen gemeinsamen Punkt zu bringen. Ich wollte weg von Fragen wie „Wer ist besser?“ oder „Wer ist wichtiger?“ Mir war wichtig: „Was braucht der Song?“ Anfangs war das alles natürlich deutlich kleiner als heute. Es war ein Experiment, von dem ich dachte, es würde so lange existieren, wie die Leidenschaft trägt. Dass diese Leidenschaft nicht nur geblieben, sondern gewachsen ist, liegt daran, dass sie von allen geteilt wird. Jeder identifiziert sich mit dem, was entsteht. Für jede und jeden ist es sein Song.

Conny: Gab es einen konkreten Auslöser? Einen Moment, in dem du wusstest: Jetzt gehe ich diesen Weg?

Harry: Einen einzelnen, klaren Moment gab es nicht. Es waren viele kleine. Ich habe lange Musik gehört, Ideen gesammelt, Texte und Melodien im Kopf gehabt, damals sogar mit GarageBand experimentiert, eher spielerisch als professionell.

Während der Corona-Zeit entstand dann eine besondere Leere, viel Zeit und plötzlich auch Raum für diese Idee. Mir wurde klar: Wenn ich auf den perfekten Moment warte, wird er nie kommen. Interessanterweise waren zu dieser Zeit einige Menschen um mich, die heute musikalisch andere Wege gehen. Sie waren dennoch Teil der Anfangsphase, und dafür bin ich ihnen bis heute dankbar. Nein, es gab nie den bewussten Plan, „etwas zu gründen“. Ich begann einfach, Strukturen zu entwickeln: Wie organisieren wir Songs? Wie arbeiten wir online zusammen? Wie schaffen wir eine Atmosphäre, in der Menschen nicht funktionieren müssen, sondern kreativ sein dürfen? Magic Voice entstand aus dieser Mischung: Sehnsucht nach Musik, dem Wunsch nach Gemeinschaft und dem Bedürfnis, Dinge nicht nur zu beginnen, sondern auch zu vollenden.

Conny: Wie kam das Team zusammen? Solche Konstellationen entstehen ja selten rein zufällig.

Harry: Und doch war sehr vieles tatsächlich Zufall oder nennen wir es Fügung. Es war eine Mischung aus Begegnungen, Empfehlungen und Bauchgefühl. Kontakte führten zu Kontakten, Stimmen tauchten auf, bei denen ich sofort dachte: Das könnte passen. Entscheidend war jedoch nie allein das musikalische Können. Davon gibt es viel. Wichtiger war mir immer die innere Haltung: die Bereitschaft, gemeinsam zu erschaffen, Wertschätzung, Toleranz, ein kleines Ego. Auch eine gewisse spirituelle Offenheit spielt eine Rolle, nicht im religiösen Sinn, sondern als Haltung gegenüber sich selbst und anderen. Oft lief es so, dass jemand mir eine Demo schickte und ich sehr schnell spürte, ob es menschlich funktioniert. Wenn das Gesamtbild nicht stimmig ist, leidet auch die Musik. Heute sind wir ein sehr stimmiges Team und haben bewusst entschieden, in dieser Konstellation zu bleiben und niemand mehr aufzunehmen. Unsere gemeinsame Energie ist gewachsen und wir möchten sie bewahren.

Conny: Du betonst das Fertigstellen von Projekten. Ist das ein zentrales Prinzip bei Magic Voice?

Harry: Absolut. Ideen sind wertvoll, aber sie entfalten ihre Kraft erst, wenn man sie zu Ende bringt. Im Team wird keine Idee vorschnell verworfen, alles wird besprochen, ausprobiert, weitergedacht. Ich liebe diesen Entwicklungsprozess. Aber ich liebe auch den Abschluss. Fertigstellen bedeutet für mich Respekt: vor dem Werk und vor der Arbeit jedes Einzelnen. Wenn ein Album abgeschlossen ist, wird das im Team regelrecht gefeiert.
Unser Album JAZ ist dafür ein gutes Beispiel, fast drei Jahre Arbeit. Aber es war diese Zeit wert.

Conny: Vertrauen scheint eine große Rolle zu spielen. Was bedeutet das konkret?

Harry: Vertrauen heißt, Menschen so arbeiten zu lassen, wie es für sie richtig ist. Ohne ständige Kontrolle. Fehler dürfen passieren, Emotionen dürfen da sein. Kreativität entsteht nur dort, wo man sich nicht verteidigen muss. Jeder entwickelt seinen eigenen Flow und genau das macht ein Projekt lebendig. JAZ ist dafür ein gutes Beispiel.

Conny: Du hast JAZ bereits angesprochen. Dieses Album scheint für dich, Avaleen und Kyra eine besondere Bedeutung zu haben.

Harry: Ja, definitiv. Eigentlich ist jedes fertige Album etwas Besonderes, aber JAZ hatte eine eigene Geschichte. Wir hatten das Projekt zeitweise beiseite gelegt, dann wieder aufgenommen und wieder pausiert. Es war zäh. Und plötzlich, fast unerklärlich, passte alles zusammen. Kyra hat es treffend formuliert: „Es wollte fertig werden.“
Die Freude darüber war so groß, dass wir bereits an einer Fortsetzung arbeiten. Texte und Grundmelodien sind schon unterwegs.

Conny: Du bist Gründer, aber auch Musiker. Welche Instrumente begleiten dich?

Harry: Ich würde mich selbst nicht primär als Musiker bezeichnen, sondern als Lernenden. Mein musikalischer Weg begann früh: Mit ca. 8 Jahren habe ich begonnen mit Akkordeon. Fünfzehn Jahre habe ich gelernt, später Keyboard, das hat mir ein tiefes Verständnis für Harmonie und Melodie gegeben.
Danach kamen Gitarre und Ukulele, sehr direkte Instrumente, sehr zugänglich. Und aktuell fasziniert mich die Handpan. Sie ist weniger Instrument als Zustand. Man spielt Atmosphäre, nicht nur Töne. Sie ist meditativ und wirkt fast reinigend.

Conny: Gibt es einen Moment, der dir zeigt, wie sehr Musik dich geprägt hat?

Harry: Ja. In einer beruflich sehr intensiven Phase kam ich abends erschöpft nach Hause und setzte mich trotzdem hin, um Musik zu machen. Nach wenigen Minuten war ich innerlich klarer. Nicht erholt, aber mehr bei mir. Da wurde mir bewusst: Musik ist für mich keine Freizeitbeschäftigung. Sie ist innere Ordnung. So wie andere meditieren, gehe ich in einen Song.

Conny: Kannst du von der Musik leben?

Harry: (lacht) Nein. Ich arbeite 40 Stunden pro Woche als Berater, Trainer und Coach. Das ist mein Beruf. Magic Voice Music ist ein Herzensprojekt, das parallel läuft und ehrlich gesagt eher Geld kostet, als das es welches einzubringt. Aber es gibt mir etwas, das man nicht messen kann.

Conny: Ist diese Doppelbelastung nicht anstrengend?

Harry: Manchmal, ja. Aber Musik gibt mir auch Energie zurück. Und weil wir als Team arbeiten, trägt niemand alles allein. Jeder bringt ein, was möglich ist ohne Druck, ohne feste Release-Termine. Das macht den Unterschied. Wir haben keinen Druck!

Conny: Was ist Musik für dich, in wenigen Worten?

Harry: Wahrheit ohne Diskussion.
Man hört einen Song und spürt sofort, ob er echt ist. Musik verbindet Menschen, Gefühle und Erfahrungen. Sie ist Hoffnung, selbst in der Traurigkeit. Unsere Songs sind spirituell ausgerichtet, sie sollen inspirieren und innere Räume öffnen.

Conny: Wenn Magic Voice Music ein Satz wäre?

Harry: „Lass uns etwas erschaffen, das größer ist als wir selbst.“

Conny: Wie geht es weiter?

Harry: Mit Neugier, Mut und Weiterentwicklung. Neue Projekte, vielleicht auch neue Klangwelten, bessere Prozesse. Magic Voice ist eine Reise kein Ziel. Der Punkt ohne Rückkehr ist längst überschritten und es kann nur nach vorne gehen.

Conny: Und dein Wunsch für die Zukunft?

Harry: Dass wir uns treu bleiben. Dass wir wachsen dürfen, musikalisch und menschlich. Und dass unsere Musik genau dort ankommt, wo sie gebraucht wird.

Conny: Harry, vielen Dank für dieses ausführliche Gespräch.

Harry:
Danke dir auch.