Interview mit Eliška – Die Stimme von Deus Lux
Ein ausführliches Gespräch über Herkunft, Musik, Familie und darüber, warum dieses Projekt für sie auch eine Reise in ihre musikalischen Wurzeln ist.
Conny: Eliška, deine Geschichte beginnt eigentlich zwischen zwei Kulturen. Du bist in Deutschland aufgewachsen, hast aber tschechische Wurzeln. Wie hat dich diese doppelte Herkunft geprägt?
Eliška: Sehr stark. Ich bin in Tschechien geboren, aber meine Familie zog nach Deutschland, als ich noch relativ klein war. Ab meinem achten Lebensjahr lebten wir in Dortmund. Für ein Kind ist so ein Umzug natürlich eine große Veränderung. Plötzlich ist alles neu, die Sprache, die Schule, die Freunde. Die Sprache war am Anfang tatsächlich die größte Herausforderung. Ich verstand vieles nicht und hatte Angst, etwas falsch zu sagen. In den ersten Monaten habe ich oft einfach zugehört und versucht, Wörter aufzuschnappen. Kinder können erstaunlich schnell lernen, aber in dieser Zeit fühlte ich mich manchmal ein wenig wie eine Beobachterin in meiner eigenen Klasse.
Mit der Zeit wurde Deutsch für mich immer vertrauter. Heute spreche ich es fließend, auch wenn mein tschechischer Akzent immer ein bisschen geblieben ist. Früher hat mich das gestört, heute sehe ich es als Teil meiner Identität. Es erinnert mich daran, wo ich herkomme.
Conny: Wann kam die Musik in dein Leben?

Eliška: Eigentlich war sie immer da. In meiner Familie wurde viel Musik gehört, besonders klassische Musik und auch Kirchenmusik. Meine Eltern liebten diese ruhigen, getragenen Melodien, und ich habe oft einfach mitgesungen.
Der erste richtige Schritt war dann der Schulchor. Ich war damals noch sehr schüchtern, aber im Chor fühlte ich mich plötzlich sicher. Wenn viele Stimmen zusammenklingen, fühlt man sich nicht allein, man wird Teil eines größeren Ganzen. Später kam der Kirchenchor dazu. Diese Erfahrung hat mich sehr geprägt. Kirchenräume haben eine besondere Atmosphäre. Wenn ein Chor singt, entsteht eine Klangfülle, die fast körperlich spürbar ist. Die Töne schweben durch den Raum, und man hat das Gefühl, dass sie sich mit der Architektur verbinden. Ich glaube, dort habe ich zum ersten Mal verstanden, dass Musik auch etwas Spirituelles sein kann.
Conny: Nach dem Abitur hast du dich entschieden, Musik zu studieren. War das ein mutiger Schritt?
Eliška: Ein bisschen schon. Viele Menschen überlegen bei solchen Entscheidungen natürlich auch, wie sicher ein Beruf später ist. Aber ich hatte immer das Gefühl, dass Musik mein Weg ist.
Das Studium war eine intensive Zeit. Man beschäftigt sich plötzlich sehr analytisch mit Musik, mit Atemtechnik, Interpretation, Stilrichtungen. Gleichzeitig entdeckt man aber auch neue Ausdrucksmöglichkeiten.
Das Schönste am Studium waren allerdings die Begegnungen mit anderen Musikerinnen und Musikern. Menschen, die genauso leidenschaftlich über Musik sprechen können wie man selbst.
Conny: Dort hast du auch Avaleen kennengelernt.
Eliška: Ja, genau. Wir hatten einige Kurse gemeinsam und sind irgendwann ins Gespräch gekommen. Was mich sofort beeindruckt hat, war ihre Art, Musik zu fühlen. Avaleen hört Dinge sehr intuitiv, sie spricht oft über Emotionen und Stimmungen, die ein Song transportiert. Wir haben damals viel Zeit miteinander verbracht. Manchmal haben wir gemeinsam geübt, manchmal einfach nur über Musik philosophiert. Aus diesen Gesprächen entstand eine echte Freundschaft. Auch nachdem wir später in unterschiedlichen Ländern lebten, sind wir immer in Kontakt geblieben.
Conny: 2012 bist du schließlich nach Prag zurückgekehrt.
Eliška: Ja, das war ein wichtiger Schritt für mich. Deutschland war viele Jahre mein Zuhause gewesen, aber ich hatte immer noch eine starke Verbindung zu Prag. Als sich die Möglichkeit ergab, in einem Musikverlag zu arbeiten, fühlte es sich wie der richtige Moment an, zurückzugehen. Die Arbeit dort ist sehr interessant, weil ich Musik aus einer anderen Perspektive erlebe. Es geht nicht nur ums Singen, sondern auch um Organisation, Veröffentlichungen und Produktionen. Man bekommt einen Blick hinter die Kulissen der Musikbranche.
Conny: Neben deiner Arbeit übernimmst du auch immer wieder Backgroundgesang bei Produktionen.
Eliška: Ja, das mache ich sehr gerne. Backgroundgesang ist eine ganz besondere Aufgabe. Man steht nicht im Mittelpunkt, sondern unterstützt den Gesamtklang eines Songs. Es geht darum, Harmonien zu schaffen, Atmosphäre aufzubauen. Ich mag diese Rolle sehr, weil sie viel Feingefühl verlangt. Man muss genau hören, wie sich Stimmen miteinander verbinden.
Conny: Über Avaleen bist du schließlich zu Magic Voice Music gekommen. Wie lief das ab?
Eliška: Avaleen erzählte mir irgendwann von diesem Projekt und davon, wie dort gearbeitet wird. Dass es kein klassisches Musikprojekt ist, sondern eher ein kreatives Team, in dem jeder seine Ideen einbringen kann. Am Anfang habe ich nur kleine Gesangsparts übernommen, weil mein Alltag ziemlich voll war. Arbeit, Familie, Kinder, das alles muss natürlich organisiert werden. Aber ich habe schnell gemerkt, dass Magic Voice eine besondere Atmosphäre hat. Es geht dort nicht um Konkurrenz oder darum, wer im Vordergrund steht. Es geht darum, gemeinsam Musik zu erschaffen.
Conny: Und irgendwann kam die Anfrage von Harry eine neue Produktion einzusingen?
Eliška: Ja, und ich habe sofort zugesagt. Harry erklärte mir die Idee hinter dem Projekt, und ich war sofort neugierig. Als ich die ersten musikalischen Skizzen hörte, wusste ich, dass es etwas sehr Besonderes werden könnte.
Conny: Dieses Projekt heißt Deus Lux. Was hat dich daran besonders berührt?
Eliška: Die Atmosphäre. Die Musik verbindet verschiedene Welten: kraftvolle Arrangements, moderne Produktion und gleichzeitig diese spirituelle Tiefe. Besonders die gregorianischen Gesangspassagen haben mich sofort berührt. Sie erinnerten mich stark an meine Zeit im Kirchenchor. Diese alten, getragenen Melodien haben eine besondere Kraft. Sie wirken ruhig, fast meditativ, und gleichzeitig sehr würdevoll. Als ich diese Teile zum ersten Mal hörte, hatte ich sofort Bilder von Kirchenräumen im Kopf, hohe Gewölbe, Kerzenlicht, dieser schwebende Klang von Stimmen.
Für mich ist Deus Lux deshalb nicht nur ein Musikprojekt, sondern auch eine kleine Rückkehr zu meinen musikalischen Wurzeln.
Conny: Du singst ausschließlich im Studio und trittst nicht live auf. Warum?
Eliška: Das hat vor allem familiäre Gründe. Ich habe zwei Kinder, und sie stehen für mich an erster Stelle. Live-Auftritte bedeuten oft Reisen und längere Abwesenheiten das passt im Moment einfach nicht zu unserem Familienleben. Das Studio bietet mir aber eine wunderbare Möglichkeit, trotzdem kreativ zu sein. Ich kann mich ganz auf die Musik konzentrieren und gleichzeitig für meine Familie da sein.
Conny: Vermisst du die Bühne manchmal?
Eliška: Ich war nie ein Mensch, der sich auf der Bühne wirklich wohlfühlt. Das Studio hat seinen eigenen Zauber. Man kann dort viel intensiver arbeiten, verschiedene Emotionen ausprobieren und eine Atmosphäre erschaffen, die später die Hörer erreicht.
Aber am Ende geht es mir darum, dass die Musik ihren Weg zu den Menschen findet – egal, ob von einer Bühne oder aus einem Studio heraus.
Conny: Wenn du Musik in einem Satz beschreiben müsstest, was wäre sie für dich?
Eliška: Musik ist für mich eine Brücke. Zwischen Menschen, zwischen Erinnerungen – und manchmal auch zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Conny: Eliška, vielen Dank für dieses ausführliche Gespräch.
Eliška: Ich danke dir. Es ist schön, über Musik sprechen zu dürfen – besonders über ein Projekt wie Deus Lux, das mir wirklich am Herzen liegt.
Dieses Interview wurde von Conny Mersinger im März 2026 per Zoom geführt.
Nächstes Interview mit Avaleen, der Stimme von Avaleen!