Interview mit Herb „Harry“ Grandl – Gründer von Magic Voice Music
Ein ausführliches Gespräch über Anfänge, Teamgeist, Instrumente und die Frage, warum Musik mehr ist als ein Hobby.
Conny: Wir haben kurz vor Weihnachten, vielen Dank, dass du dir trotz der intensiven Zeit Zeit für dieses Gespräch nimmst.
Harry, wenn man heute auf Magic Voice Music blickt, wirkt es wie ein gewachsenes Universum aus Projekten, Stimmen und Stilrichtungen. Lass uns ganz am Anfang beginnen: Wie kam es zur Gründung von MacigVoice Music?
Harry: Die Gründung war weniger das Ergebnis eines Businessplans als vielmehr eines inneren Drängens, im positiven Sinn. Ich hatte das Gefühl, dass Musik in mir arbeitet und nach außen will. Nicht im Sinne von „Ich mache ein paar Songs“, das habe ich durchaus versucht, aber es hat nicht funktioniert. Es ging um mehr. Um das Bedürfnis, etwas zu erschaffen, das Menschen berührt. Magic Voice Music entstand aus der Idee eines kreativen Zuhauses: eines Ortes, an dem Musik entstehen kann, ohne die typischen Reibungspunkte wie Ego, Konkurrenz und Statusdenken. Ich war selbst in einer Band und habe oft erlebt, wie schwierig es ist, alle auf einen gemeinsamen Punkt zu bringen. Ich wollte weg von Fragen wie „Wer ist besser?“ oder „Wer ist wichtiger?“ Mir war wichtig: „Was braucht der Song?“ Anfangs war das alles natürlich deutlich kleiner als heute. Es war ein Experiment, von dem ich dachte, es würde so lange existieren, wie die Leidenschaft trägt. Dass diese Leidenschaft nicht nur geblieben, sondern gewachsen ist, liegt daran, dass sie von allen geteilt wird. Jeder identifiziert sich mit dem, was entsteht. Für jede und jeden ist es sein Song.
Conny: Gab es einen konkreten Auslöser? Einen Moment, in dem du wusstest: Jetzt gehe ich diesen Weg?
Harry: Einen einzelnen, klaren Moment gab es nicht. Es waren viele kleine. Ich habe lange Musik gehört, Ideen gesammelt, Texte und Melodien im Kopf gehabt, damals sogar mit GarageBand experimentiert, eher spielerisch als professionell.
Während der Corona-Zeit entstand dann eine besondere Leere, viel Zeit und plötzlich auch Raum für diese Idee. Mir wurde klar: Wenn ich auf den perfekten Moment warte, wird er nie kommen. Interessanterweise waren zu dieser Zeit einige Menschen um mich, die heute musikalisch andere Wege gehen. Sie waren dennoch Teil der Anfangsphase, und dafür bin ich ihnen bis heute dankbar. Nein, es gab nie den bewussten Plan, „etwas zu gründen“. Ich begann einfach, Strukturen zu entwickeln: Wie organisieren wir Songs? Wie arbeiten wir online zusammen? Wie schaffen wir eine Atmosphäre, in der Menschen nicht funktionieren müssen, sondern kreativ sein dürfen? Magic Voice entstand aus dieser Mischung: Sehnsucht nach Musik, dem Wunsch nach Gemeinschaft und dem Bedürfnis, Dinge nicht nur zu beginnen, sondern auch zu vollenden.
Conny: Wie kam das Team zusammen? Solche Konstellationen entstehen ja selten rein zufällig.
Harry: Und doch war sehr vieles tatsächlich Zufall oder nennen wir es Fügung. Es war eine Mischung aus Begegnungen, Empfehlungen und Bauchgefühl. Kontakte führten zu Kontakten, Stimmen tauchten auf, bei denen ich sofort dachte: Das könnte passen. Entscheidend war jedoch nie allein das musikalische Können. Davon gibt es viel. Wichtiger war mir immer die innere Haltung: die Bereitschaft, gemeinsam zu erschaffen, Wertschätzung, Toleranz, ein kleines Ego. Auch eine gewisse spirituelle Offenheit spielt eine Rolle, nicht im religiösen Sinn, sondern als Haltung gegenüber sich selbst und anderen. Oft lief es so, dass jemand mir eine Demo schickte und ich sehr schnell spürte, ob es menschlich funktioniert. Wenn das Gesamtbild nicht stimmig ist, leidet auch die Musik. Heute sind wir ein sehr stimmiges Team und haben bewusst entschieden, in dieser Konstellation zu bleiben und niemand mehr aufzunehmen. Unsere gemeinsame Energie ist gewachsen und wir möchten sie bewahren.
Conny: Du betonst das Fertigstellen von Projekten. Ist das ein zentrales Prinzip bei Magic Voice?
Harry: Absolut. Ideen sind wertvoll, aber sie entfalten ihre Kraft erst, wenn man sie zu Ende bringt. Im Team wird keine Idee vorschnell verworfen, alles wird besprochen, ausprobiert, weitergedacht. Ich liebe diesen Entwicklungsprozess. Aber ich liebe auch den Abschluss. Fertigstellen bedeutet für mich Respekt: vor dem Werk und vor der Arbeit jedes Einzelnen. Wenn ein Album abgeschlossen ist, wird das im Team regelrecht gefeiert.
Unser Album JAZ ist dafür ein gutes Beispiel, fast drei Jahre Arbeit. Aber es war diese Zeit wert.
Conny: Vertrauen scheint eine große Rolle zu spielen. Was bedeutet das konkret?
Harry: Vertrauen heißt, Menschen so arbeiten zu lassen, wie es für sie richtig ist. Ohne ständige Kontrolle. Fehler dürfen passieren, Emotionen dürfen da sein. Kreativität entsteht nur dort, wo man sich nicht verteidigen muss. Jeder entwickelt seinen eigenen Flow und genau das macht ein Projekt lebendig. JAZ ist dafür ein gutes Beispiel.
Conny: Du hast JAZ bereits angesprochen. Dieses Album scheint für dich, Avaleen und Kyra eine besondere Bedeutung zu haben.
Harry: Ja, definitiv. Eigentlich ist jedes fertige Album etwas Besonderes, aber JAZ hatte eine eigene Geschichte. Wir hatten das Projekt zeitweise beiseite gelegt, dann wieder aufgenommen und wieder pausiert. Es war zäh. Und plötzlich, fast unerklärlich, passte alles zusammen. Kyra hat es treffend formuliert: „Es wollte fertig werden.“
Die Freude darüber war so groß, dass wir bereits an einer Fortsetzung arbeiten. Texte und Grundmelodien sind schon unterwegs.
Conny: Du bist Gründer, aber auch Musiker. Welche Instrumente begleiten dich?
Harry: Ich würde mich selbst nicht primär als Musiker bezeichnen, sondern als Lernenden. Mein musikalischer Weg begann früh: Mit ca. 8 Jahren habe ich begonnen mit Akkordeon. Fünfzehn Jahre habe ich gelernt, später Keyboard, das hat mir ein tiefes Verständnis für Harmonie und Melodie gegeben.
Danach kamen Gitarre und Ukulele, sehr direkte Instrumente, sehr zugänglich. Und aktuell fasziniert mich die Handpan. Sie ist weniger Instrument als Zustand. Man spielt Atmosphäre, nicht nur Töne. Sie ist meditativ und wirkt fast reinigend.
Conny: Gibt es einen Moment, der dir zeigt, wie sehr Musik dich geprägt hat?
Harry: Ja. In einer beruflich sehr intensiven Phase kam ich abends erschöpft nach Hause und setzte mich trotzdem hin, um Musik zu machen. Nach wenigen Minuten war ich innerlich klarer. Nicht erholt, aber mehr bei mir. Da wurde mir bewusst: Musik ist für mich keine Freizeitbeschäftigung. Sie ist innere Ordnung. So wie andere meditieren, gehe ich in einen Song.
Conny: Kannst du von der Musik leben?
Harry: (lacht) Nein. Ich arbeite 40 Stunden pro Woche als Berater, Trainer und Coach. Das ist mein Beruf. Magic Voice Music ist ein Herzensprojekt, das parallel läuft und ehrlich gesagt eher Geld kostet, als das es welches einzubringt. Aber es gibt mir etwas, das man nicht messen kann.
Conny: Ist diese Doppelbelastung nicht anstrengend?
Harry: Manchmal, ja. Aber Musik gibt mir auch Energie zurück. Und weil wir als Team arbeiten, trägt niemand alles allein. Jeder bringt ein, was möglich ist ohne Druck, ohne feste Release-Termine. Das macht den Unterschied. Wir haben keinen Druck!
Conny: Was ist Musik für dich, in wenigen Worten?
Harry: Wahrheit ohne Diskussion.
Man hört einen Song und spürt sofort, ob er echt ist. Musik verbindet Menschen, Gefühle und Erfahrungen. Sie ist Hoffnung, selbst in der Traurigkeit. Unsere Songs sind spirituell ausgerichtet, sie sollen inspirieren und innere Räume öffnen.
Conny: Wenn Magic Voice Music ein Satz wäre?
Harry: „Lass uns etwas erschaffen, das größer ist als wir selbst.“
Conny: Wie geht es weiter?
Harry: Mit Neugier, Mut und Weiterentwicklung. Neue Projekte, vielleicht auch neue Klangwelten, bessere Prozesse. Magic Voice ist eine Reise kein Ziel. Der Punkt ohne Rückkehr ist längst überschritten und es kann nur nach vorne gehen.
Conny: Und dein Wunsch für die Zukunft?
Harry: Dass wir uns treu bleiben. Dass wir wachsen dürfen, musikalisch und menschlich. Und dass unsere Musik genau dort ankommt, wo sie gebraucht wird.
Conny: Harry, vielen Dank für dieses ausführliche Gespräch.
Harry:
Danke dir auch.