Interview mit Kyra Vance – Zwischen Struktur , Gefühl und Freiheit
Die leise Kraft der Stimme
Conny: Kyra, du hast erst relativ spät begonnen zu singen. Wie kam Musik überhaupt in dein Leben?
Kyra: Ich glaube, Musik war immer da – nur sehr leise. Ich war kein Kind, das auf der Bühne stehen wollte oder ständig gesungen hat. Ich habe eher beobachtet, zugehört, gefühlt. Mit etwa fünfzehn habe ich angefangen, für mich zu singen. Nicht aus Ehrgeiz, sondern weil ich es brauchte. Es war ein Rückzugsort, etwas ganz Eigenes. In Momenten, in denen Worte nicht gereicht haben, war das Singen einfach da.
Conny: Heute arbeitest du hauptberuflich als Buchhalterin, in einem sehr strukturierten Beruf. Wie passt das mit deiner künstlerischen Seite zusammen?
Kyra: Für viele klingt das wie ein Widerspruch, für mich ist es ein Gleichgewicht. Mein Beruf gibt mir Stabilität, Klarheit, Struktur. Die Musik ist das Gegenteil – sie ist frei, emotional, manchmal auch chaotisch. Ich brauche beides. Ohne die Ordnung als Buchhalterin würde ich mich verlieren, ohne die Musik würde mir aber etwas Entscheidendes fehlen. Beides ergänzt sich gegenseitig für mich.
Conny: Du warst früher in verschiedenen Rockbands aktiv. Was hast du aus dieser Zeit mitgenommen und warum hast du diese Zeit hinter dir gelassen?

Kyra: Die Zeit in den Bands war intensiv. Laut, energiegeladen, manchmal großartig aber auch anstrengend. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass es oft weniger um die Musik ging, sondern um Aufmerksamkeit, um Machtverhältnisse und um die Egos der Einzelnen Bandmitglieder. Das hat mir irgendwann die Freude genommen.
Ich habe erkannt, dass ich für mich keine Bühne brauche, auf der ich mich behaupten muss. Daher trete ich auch nicht mehr auf einer Bühne auf! Ich habe erkannt, dass ich einen Raum brauche, in dem ich einfach sein darf, wie ich bin. Das war ein teils schmerzhafter, aber auch wichtiger, heilender Lernprozess für mich.
Conny: Heute hast du dir bei deinen Eltern einen eigenen kleinen Raum im Keller zum Singen geschaffen. Was bedeutet dir dieser Ort?
Kyra: Sehr viel. Es ist kein Studio, sondern eher ein Rückzugsort. Dort darf ich alles sein, laut, leise, unsicher oder auch mutig. Es ist der einzige Ort, an dem ich völlig ohne Bewertung bin und an dem ich so bin, wie ich bin.
Manchmal singe ich nur ein paar Töne, manchmal arbeite ich stundenlang an einer Zeile. Es geht nicht um Perfektion, sondern um Ehrlichkeit. Dieser Raum hat mir geholfen, meine Stimme neu kennenzulernen.
Conny: Wie bist du schließlich zu MagicVoice gekommen?
Kyra: Tatsächlich über einen Bekannten, der wusste, dass ich singe. Er meinte irgendwann ganz beiläufig: „Du würdest da gut reinpassen.“
Ich war erst skeptisch. Ich hatte nicht vor, mich wieder irgendwo einzubringen. Aber ich habe mir die Musik angehört – und sie hat mich sofort berührt. Sie war ehrlich, atmosphärisch, ohne Show. Also habe ich es einfach ausprobiert. Der erste Kontakt war überraschend unkompliziert. Harry ist sehr verständnisvoll und lässt jeden einzelnen “atmen”. Er sagte: “Dass nur in der persönlichen Freiheit die wahre Energie des Einzelnen zum Vorschein kommt!” Er machte keine großen Versprechen, keinen Druck. Er stellte mir am Schluss des Zoomcalls nur die Frage: “Hast du Lust, Teil von uns zu sein?”
Und das hatte ich. Das war tatsächlich ein eher leiser Weg. Ich dachte: Ich probiere es aus, mehr nicht. Doch schon nach den ersten Gesprächen und Aufnahmen hatte ich das Gefühl, dass hier etwas anders ist. Es ging nicht um Rollen oder Positionen, sondern um Musik und eine respektvolle Haltung allen Personen im Team gegenüber.
Als ich dann meine Stimme einbringen durfte, hatte ich zum ersten Mal nicht das Gefühl, mich beweisen zu müssen. Ich durfte einfach sein, wie ich bin. Das war neu – und sehr befreiend.
Conny: Auch beim Album JAZ bist du stark eingebunden. Wie hast du dieses Projekt erlebt?
Kyra: JAZ war für mich etwas ganz Besonderes. Es war kein klassisches Albumprojekt mit festen Regeln was den Musikstil betrifft. Es war eher ein Prozess, ein gemeinsames Wachsen der sich entwickelt hat.
Wir drei hatten das Gefühl, die Songs sind entstanden, weil sie entstehen wollten. Manchmal aus Gesprächen, manchmal aus Stimmungen, manchmal aus Momenten, die man nicht planen kann. Ich habe viel von mir in die einzelnen Songs hineingelegt – nicht bewusst, sondern ganz natürlich.
Die Zusammenarbeit mit Avaleen war dabei etwas sehr Besonderes für mich. Unsere Stimmen haben sich nicht konkurriert, sondern ergänzt. Wir beide, eigentlich sehr verletzliche Personen, haben uns selbst zum Teil in den einzelnen Liedern gefunden. Wichtig für Menschen wie mich und Avaleen ist, dass es keinen Druck gibt und keine Vergleiche. Es kam vom ganzen Team nur Vertrauen und Bestätigung. Und das hört man, glaube ich.
Conny: Was macht MagicVoice für dich besonders?
Kyra: Dass es nicht um Selbstdarstellung geht. Niemand versucht, sich in den Vordergrund zu stellen. Es geht um die Musik, um die Idee dahinter. Jeder bringt das ein, was er kann – nicht mehr, nicht weniger.
Für mich ist das unglaublich wertvoll. Ich habe dort einen Platz gefunden, an dem ich nichts beweisen muss. Und genau dadurch entsteht für mich die beste, echteste Musik.
Conny: Wie geht’s nun weiter, nachdem das Album “JAZ” fertiggestellt ist? Was sind für Projekte geplant?
Kyra: Wir arbeiten gerade an einem neuen HGP Projekt. Avaleen und ich sind in einem “HGP-Flow” und freuen uns jeden Tag, wenn wir wieder etwas eingesungen haben. Letztendlich haben wir bei keinem Projekt keine Planung. Wir “zoomen” und so entstehen unsere Ideen. Harry haut wieder eine Idee raus und hat auch meistens schon was vorbereitet. Unser “Ayvenor” Reggae Album zum Beispiel war so eine Idee. Nie wären wir auf die Idee gekommen Reggae zu machen, aber ich denke, das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.
Conny: Was wünschst du dir für deine musikalische Zukunft?
Kyra: Ich wünsche mir, dass ich mir diese Ehrlichkeit bewahre. Dass ich Musik machen darf, die nicht laut sein muss, um gehört zu werden. Wenn ein Lied jemanden berührt, ihm vielleicht einen Moment Ruhe schenkt – dann ist das für mich alles, was ich brauche.
Conny: Vielen Dank, Kyra, für dieses offene und sehr persönliche Gespräch.
Kyra: Danke Dir. Es tut gut, über all das sprechen zu dürfen. Musik ist für mich kein Ziel und auch kein Weg – sie ist ganz einfach ein Teil von mir.
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